"Es
lag ein wenig abseits vom Stechlin; enge, fast verwachsene Waldwege
führten zu ihm hin. Es war das Verlassenste, Einsamste, Schönste, was
man sich nur denken konnte."
Hans Fallada, "Damals bei uns daheim"

Neuglobsow Foto: W. Seiler
Auf dieser Seite möchte ich mit Ihnen einen kleinen virtuellen Spaziergang durch den Ort Neuglobsow machen, von dem Hans Fallada
in seinem Buch "Damals bei uns daheim" schwärmte. Nun sind seit dem
Erscheinen des Buches 1942 ein paar Jahre über Neuglobsow
hinweggegangen, vieles hat sich verändert, wer aber mit offenen Augen
den Ort durchstreift, der wird sich an der einen oder anderen Stelle an Falladas Zeilen erinnern: |
Es war das Verlassenste, Einsamste, Schönste, was man sich nur denken konnte.
| Wir starten unseren Spaziergang am Stechlinsee-Center,
das 2004 eröff- net wurde. Hier ist die Touristen-Information
untergebracht. Weiterhin be- finden sich in dem Gebäude Tagungs- und
Veranstaltungsräume und eine Kegelbahn. Im Foyer erwartet Sie die
Dauerausstellung „Herzlich willkommen am Stechlinsee“ und es wird ein
Film gezeigt, der Sie auf Ihren Aufenthalt am schönen Stechlinsee
einstimmen soll. Über laufende Veranstaltungen, die hier stattfinden,
werde ich auf der Seite Tips und Termine informieren. | Stechlinsee Center Foto: W. Seiler |
Unterhalb des Stechlinsee-Centers stand, bis zum Abriß Anfang der 90er Jahre, das Kulturhaus und Urlaubsrestaurant Stechlin.
Zentrale Verpfle-gungsstätte und Kulturzentrum für die jährlich etwa
35.000 Feriengäste. 800 Urlauber konnten hier täglich verpflegt werden,
es gab einen Veranstaltungs- saal mit Bühne und 180 Plätzen, Cafe und
Bauern-stube, sogar eine Nachtbar. Ein großes Angebot an Veranstaltungen
erwartete die Urlauber: Ausflüge, Musik- und Tanzveranstaltungen,
Wande- rungen, Feste, es gab Kongresse, Tagungen, politische und
sportliche Zusammenkünfte. Zahlreiche Einwohner und Zugereiste standen
hier in Lohn und Brot. Mit dem Ende der DDR kam dann aber auch für
dieses Gebäude das "Aus | ![]() Urlauberestaurant Stechlin |
Das gegenüberliegende Haus Brandenburg
wurde in der Zeit zwischen 1900 und 1914 gebaut. Über die frühe Zeit
dieser Villa und über ihre Funktion ist leider wenig bekannt. Seit 1921
nutzte die Reichspost das Gebäude als Ferienheim und im Jahr 1937
übernahm die NSDAP-Organisation "Kraft durch Freude" das Gebäude. Ab
1952 gehörte es dem FDGB, und nach der Wende ging es in den Besitz der
Familie Protze über, die es mit viel Liebe und Engagement zu einem
gediegenen und gemütlichen 3* Hotel ausgebaut hat. | ![]() Hotel Brandenburg Foto: W. Seiler |
In dem Gebäude neben dem Haus Brandenburg ging es früher recht lebhaft zu, denn hier befand sich bis 1972 die Dorfschule. Zwischenzeitlich als Arztpraxis genutzt, stand das Haus bis vor kurzem leer. Seit dem 1. Juli 2010 befindet sich in dem Gebäude eine Zweigstelle des Leibnitzinstituts für Gewässerökologie. Rund 15 Doktoranden der Limnologie können seit Juli 2010 mitten im Ort und vis à vis dem Dagowsee ihren Studien nachgehen. Desweiteren können Gastwissenschaftler aus aller Welt dort für die Zeit ihres Aufenthaltes wohnen. | |
Nur wenige Schritte weiter befindet sich das Landhaus Labes, das ehemalige Gemeindehaus von Neuglobsow. Die Tochter der jüdischen Eigentümerfamilie Redlich, Frau Annemarie Labes, bewohnte das Haus trotz antisemitischer Anfeindungen während der NS-Zeit. Sie starb 1981 und vererbte die Liegenschaft der Gemeinde Neuglobsow. Das Anwesen wurde vor kurzem verkauft. Soweit mir bekannt ist, wollen die neuen Besitzer einen Teil des Hauses selbst bewohnen und in dem anderen Teil Ferienwohnungen ausbauen. Außerdem sollen hier Kunst-Workshops angeboten werden. | ![]() Foto: W. Seiler |
Weiter geht es zum Luisenhof, einer Gaststätte mit schönem und großem Biergarten. Hier hat man einen wunderbaren Blick auf den Dagowsee und die „main road“, die Stechlinseestraße. Hier kommt jeder Besucher einmal vorbei, man sieht und wird gesehen. Der Luisenhof vermietet Zimmer und Appartements, einige mit Blick auf den Dagowsee. In alten Zeiten war der Luisenhof der Kuh- und Pferdestall der Glashüttensiedlung. 1931 verpachtete ihn Karl Litzmann an P. Bengeldorff, der dort eine Fremdenpension einrichtete. 1945 wurde das Anwesen enteignet. Die derzeitige Gaststätte entstand 1994. | Luisenhof Foto: W. Seiler |
| Wir kommen jetzt zu einer hübschen, von einer herrlichen Linde überdachten Kirche, der Adventskirche.
Wer nun meint, es handele sich um eine alte Kirche, der irrt, sie wurde
erst im Jahr 1952 eingeweiht. Das Grundstück war eine Schenkung der
Hotelbesitzerfamilie Meyer. Baumeister Friedrich Rohrbeck stellte die
Kirche, auf der Basis einer alten Scheune, in nur einjähriger Bauzeit
fertig. 1982 wurde sie mit einer Orgel ausgestattet und heute finden
hier neben den Gottesdiensten auch Konzerte und Ausstellungen statt. | Adventkirche Foto : W. Seiler |
|
Gegenüber der Kirche stehen zwei Häuser mit besonderer Bedeutung
für die Geschichte Neuglobsows. Beide Gebäude waren ehemals Eigentum der
Familie Litzmann, die als Gutsherren und Glashüttenbesitzer eine
junkerlich-autoritäre Herrschaft über den Ort ausübten. Letzter
Vertreter der Familie in Neuglobsow war Karl Litzmann,
General der Infanterie im ersten Weltkrieg, Vordenker und früher
Parteigänger der Nationalsozialisten, Reichstagsabgeordneter der NSDAP
und Alterspräsident im Reichstag. Hitler muß ihm wesentlichen Anteil am
Aufstieg des Nationalsozialismus zugeschrieben haben, denn er ließ 1940
die polnische Stadt Lodz in "Litzmannstadt" umbenennen, siehe Geschichte und Geschichten | ![]() Foto:W. Seiler |
| nach oben | ![]() Seeterassen Foto. W. Seiler | nach oben |
Die Seeterassen sind durch den langen Leerstand leider ziemlich heruntergekommen, dabei handelt es sich um einen der schönsten Plätze am Dagowsee. Hoffentlich gelingt es dem Pächter, den Verfall zu stoppen. Ideen, wie das Gebäude genutzt werden könnte, gibt es sicher viele. Eine Umsetzung wird aber, wie so oft, von der Finanzierung abhängen. Ich wünsche dem Pächter viel Glück bei der Umsetzung seiner Pläne.
| Wir
wechseln nun wieder die Straßenseite und kommen, vorbei am Cafe Glasstübchen, zur ältesten und wohl schönsten Gaststätte Neuglobsows,
dem Fontanehaus. Hier also soll er gesessen haben,
der große märkische Dichter! Wir wissen es nicht, geben uns aber, unter
der „Fontanelinde“ sitzend, Wildschweinbraten und kühles Dunkelbier
genießend, nur zu gerne dieser Illusion hin. Frisch gestärkt setzen wir dann unseren Spaziergang fort. | Fontanehaus Foto: W. Seiler |
Gegenüber lädt uns das Märkische Glasmuseum zu einem Besuch ein. Es
befindet sich in einem
etwa 230 Jahre alten, ehemaligen Glasmacher-wohnhaus. 2001 nach
historischem Vorbild aufwendig und mit viel Liebe zum Detail
rekonstruiert, stellt es heute ein wahres Kleinod dar. Viel
Wissenswertes über die Geschichte der märkischen Glasherstellung,
Exponate und interessant gestaltete Infotafeln, berichten vom harten
Leben der Glasmacher und lassen die Kunst des Glasblasens wieder
auferstehen. Mein Tipp: unbedingt besuchen und ein wenig Zeit
mitbringen!
| Glasmuseum Foto: S Taghizadeh |
| Viel Ähnlichkeit mit dem Glasmuseum hat das Haus Heimatliebe. Es gehört zu den ältesten denkmalgeschützten Gebäuden Neuglobsows. Der Berliner Franz Goerke, Direktor der Urania erwarb nach dem Konkurs der Glashütte das Haus. Goerke publizierte u.a. in Zeitschriften über den Stechlin und Umgebung. Nach 1945 wurde Heimatliebe von seiner schwerbehinderten Tochter Ellen, Porzellanmalerin bei KPN, bewohnt. | ![]() Haus Heimatliebe Foto: W. Seiler |
Und dann hat man es vor sich. Zumindest könnte man es glauben.
Des alten Dubslaws Schloß Stechlin
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Dabei wissen wir natürlich, daß dieses ein Phantasieprodukt unseres Dichters Theodor Fontane war. Nein, dieses kleine Schlößchen, ehedem mit gepflegter Parkanlage und Tennisplatz ausgestattet, war das Hochzeitsgeschenk des erfogrei- chen Berliner Unternehmers Patzek an seine Tochter Erika und deren Gemahl Prinz Sigvard von Schweden. Zu DDR-Zeiten als Ferienheim genutzt, verfiel es nach der Wende zusehends. Soweit mir bekannt, wurde das Anwesen 2011 von einem Investor gekauft. Für Infos hierzu wäre ich sehr dankbar. (E-Mail)
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Weitergehend erblicken wir die ehemalige Kaufhalle. Sie steht leer und ist wohl auch dem Verfall preisgegeben. An dieser Stelle stand einmal das zu den Seeterassen gehörende Logierhaus, in welchem Fallada mit seinen Eltern die Ferien verbrachte, von denen er in seinem Buch "Damals bei uns daheim" berichtet. Wie gut könnten wir uns hier ein nettes Cafe oder eine Eisdiele vorstellen, wo man, auf der Terasse sitzend, den ersten Blick auf den Stechlinsee werfen könnte. | Foto: W. Seiler |
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Wir biegen nun rechts ab, in die
Straße Am Hirschberg. Vorbei am Friesenhaus, einem roten
Backsteingebäude, erreichen wir das Landhaus Neesen, das
Traumhaus des Geheimrates Neesen und seiner Familie. Frau Neesen war
eine vorausschauende Naturliebhaberin, ihr ist es zu verdanken, daß
keine Bebauung am Stechlinsee erfolgte. Kultur stand in diesem Haus
hoch im Kurs. Hier verkehrten Prominente wie der Physiker und
Nobelpreisträger Max Planck, die Schriftsteller Hans Fallada, Lola
Landau und A.T. Wegner, der Schauspieler und Regisseur Paul Wegener und
viele andere. Das Haus war bis vor kurzem in einem schlechten Zustand, wird aber derzeit renoviert. | Foto: W. Seiler |
_______ Haus Hirschberg _______
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Nach der Wende ging das Haus in den Besitz der Treuhandgesellschaft über, später wurde es von einem privaten Investor gekauft. Jahrelanges Ringen um die Eigentumsverhältnisse ließen das Anwesen verwahrlosen. Seit 2010 ist das Haus verkauft und soll angeblich zu einem Hotel umgebaut werden, die Bauarbeiten gehen aber nur schleppend voran.
Unser Weg führt uns nun, von der Straße Am Hirschberg nach links auf den Fischerweg abbiegend, zur Tauchstation. In den 70er Jahren gebaut, bietet sich hier die Möglichkeit zu Tauchgängen im nahen Stechlinsee. 1985 wurde hier die Weltmeisterschaft im Orientierungstauchen ausgetragen. Bis 1989 auch Tauchausbildungszentrum, gibt es heute keine Tauchschule mehr. Es besteht aber die Möglichkeit, eine Ausrüstung zu leihen oder die eigene zu ergänzen und zu reparieren, die Flaschen zu füllen und man kann günstig übernachten. Gut geeignet für Gruppen und Familien.

Fischerei am Stechlinsee Foto: W.Seiler

Der Fischereibetrieb und das angeschlossene kleine Selbstbedienungs-Fischrestaurant werden seit 1948 von der Familie Böttcher betrieben. Man bekommt einen interessanten Einblick in die Arbeit des Fischers, erlebt das Räuchern des Fisches mit, genießt die - noch ganz urige - Atmosphäre und den einmaligen Blick auf den See. Ich empfehle Ihnen den geräucherten Fisch, nehme selbst auch gerne fangfrischen Fisch zum Grillen mit nach Hause.

Badestrand Stechlinsee Foto: W. Seiler

Steganlage am Stechlinsee Foto: W.Seiler
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Vom Eulenhaus zum Haus Sieben Wälder
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Der zweite Teil unseres virtuellen Spaziergangs führt uns in den oberen Teil des Ortes. Hier stehen einige hübsche Villen, deren Geschichte ich Ihnen nahebringen möchte. Besuchen Sie auch die Seite Geschichte
und Geschichten, dort werden wichtige Punkte der Spaziergänge noch einmal genauer beschrieben.
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| nach oben | Eulenhaus Foto : W.Seiler | nach oben |
_____ Landhäuser im Geheimratsviertel _____
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______ Versunkene Glocke _____

Versunkene Glocke Foto: W. Seiler
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Versunkene Glocke lesen wir auf dem Giebel des Hauses Sonnenhügel 1. Der erste Besitzer, ein Verehrer von Gerhard Hauptmann, gab ihm diesen poetischen Namen. Der Berliner Grundstücksmakler Bruno Eichholz ließ 1908 dieVersunkene Glocke und die gegenüberliegende Haubenlerche bauen. 1928 erwarb Carl Grohmann, ein "Roter Hahn", das Anwesen. Näheres über die Roten Hähne in Geschichte und Geschichten. Am 13.12.43 wurde das Gebäude durch den Landrat des Kreises Ruppin beschlagnahmt und bis 2 Monate nach dem Krieg wurden hier Flüchtlinge untergebracht. Von 1945 bis 1965 bewohnte der ehemalige "Klosteraner" Dr. Schink das Haus, 1985 wurde das Anwesen in Volkseigentum überführt und vom damaligen Bürgermeister bewohnt. 1993 erfolgte die Rückübertragung an die Erben Carl Grohmans. Frau Boeven, die Tochter Carl Grohmanns, wohnte bis zu ihrem Tod in der Versunkenen Glocke, heute haben ihre Kinder und Enkelkinder das Erbe angetreten. |
_____" Haus der Sieben Wälder "_____

"Der Wald des Lebens und der Wald des Todes wiederholte er. Es klingt wie ein Märchen. Wir müssen aber sieben Wälder durchwan- dern, um uns zu finden und erlöst zu werden: den weißen Wald der Kindheit, den grünen der Jugend, den blutroten Wald des Krieges, den grauen des Alters und den schwarzen des Todes. Dann endlich öffnet sich nach allen Prüfungen im Dickicht der See, und dort empfängt uns das Haus, in dem wir geborgen sind vor allen Schrecken..." Lola Landau ( Meine drei Leben)
A.T. Wegner Lola Landau |
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Seid
immer Freund und Gast in meinem Hause
Dass sich mein Wort mit Eurem Wort vermische
Spielt mit mir Spiele, tanzt mit mir Reigen
Doch meine Seele ist Euch nicht zu eigen
Und nur ein Fremder sitzt bei Euch zu Tische.
Spruch über der Eingangstür am Haus der sieben Wälder
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Wenn Ihnen dieser Spaziergang gefallen hat, besuchen Sie doch auch die Seite Dagow . Spazieren Sie mit mir durch den Ort und umrunden Sie den Dagowsee. Auf der Seite "Wanderungen" werde ich Ihnen die Gegend rund um den Großen Stechlin und die Menzer Forst vorstellen. Zum Schluß möchte ich Sie bitten, lassen Sie es nicht bei den virtuellen Spaziergängen bewenden, besuchen Sie diesen schönen Ort am Stechlinsee, Sie werden es nicht bereuen!
Ihr Willi Seiler









